Die Erfindung weicher Kontaktlinsen – eine Hommage an Otto Wichterle

Prof. Otto Wichterle (geb. am 27. Oktober 1913 in Prostějov in Tschechien starb am 18. August 1998 in Tschechien). Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er am Prager Institut für chemische Technologie. In dieser schwierigen Zeit des zweiten Weltkrieges entwickelte Wichterle eine Technologie zur Herstellung von Caprolactam – ein Vorprodukt von Polyamid 6 (PA 6). Die industrielle Herstellung dieses Polyamids wurde allerdings erst 10 Jahre später unter dem eingetragenen Warenzeichen Silon realisiert. Grund dazu war die Geheimhaltung der Erfindung vor den deutschen Besatzern.

Von 1952 an widmete er sich dem Studium hydrophiler Gele, die ihr Volumen bei Wasseraufnahme erweiterten. Das Ziel war die Erfindung eines Materials welches für künstliche Blutgefäße und unter anderem für Augeimplantate in Frage käme. Im Jahr 1953 beantragte Wichterle das Patent für ein dünn vernetztes Hydrogel, welches er als wasseraufnehmenden Kunststoff bezeichnete. 1955 stellte Wichterle mit seinem Assistenten das erste Polymer her, welches weiches, biologisches Gewebe sehr nahe kam: 2-Hydroxyethylmethacrylat kurz HEMA genannt. Es wurde unter anderem experimentell als Glaskörperersatz in der Ophthalmologie und später als intraokulare Linse und als Hornhautersatz im Tierversuch erprobt.

1961 gelang es Wichterle zuhause in seiner Küche erstmals eine Kontaktlinse aus HEMA herzustellen. Dazu entwickelte er zuvor das Schleudergussverfahren, welches noch bis heute zur Anfertigung von Kontaktlinsen angewendet wird. Bemerkenswert ist die Tatsache mit welch einfachen Mitteln Wichterle die erste Apparatur zur Anfertigung dieser „Gel-Tact“ Linsen baute, nämlich mit einem „Merkur“-Baukasten für Kinder.

Das Patent wird mehrmals verkauft

Dr. Robert J. Morrison war ein unternehmungslustiger, amerikanischer Optometrist aus Harrisburg/Pennsylvania. Er erkannte 1964 die Möglichkeiten von Wichterle’s Erfindung, reiste in die Tschechoslowakei und kaufte von deren Regierung die Patentrechte für etwa 330.000 US-Dollar. Morrison versuchte nun für sein frisch erworbenes Patent einen Hersteller zu finden, aber scheiterte am totalen Desinteresse der damaligen Industrie.

Zwei Patentanwälte und Investoren sahen, obwohl sie keinerlei technisches Wissen über Kontaktlinsen hatten, ein hohes Potential in Morrison’s Patentrechte schlummern. Martin Pollacks und Jerome Feldman, Eigentümer vom National Patent Development Corp. (NPD) kauften 1965 Morrisons Rechte bereits für eine Million US-Dollar.

Ein Jahr später – 1966 – fand die National Patent Development Corp. Bausch & Lomb als Käufer ihres Kontaktlinsen-Patents um mittlerweile kolportierte drei Millionen US-Dollar. Martin Pollacks gründete übrigens später den Kontaktlinsenkonzern Hydron.

Vor diesem Zeitpunkt waren für die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) Brillengläser, Kontaktlinsen und andere augenoptische Produkte nicht von Interesse. Es gab noch keine Regulierungen oder Einschränkungen für augenoptische Produkte seitens der FDA. Mit der Kenntnis des neuen HEMA-Materials entschied 1968 die FDA, dass alle Kontaktlinsen hinkünftig als Arznei statt wie zuvor als Hilfsmittel eingestuft werden würden. 1971 genehmigte die FDA schließlich Bausch & Lomb den Verkauf hydrogeler HEMA-Kontaktlinsen in den US.

Die tschechoslowakische kommunistische Regierung hat ihm seinen Anteil vom Patenverkauf in Höhe von 330 Dollars ausbezahlt!

rof. Wichterle Wichterle äußerte immer wieder seine politische Meinung in der Öffentlichkeit. Während seiner Studien, während der deutschen Besetzung und besonders während des kommunistischen Regimes nach dem Staatsstreich 1948 und der russischen Besetzung (1968-1989). So nahm er auch aktiv an der Bewegung des Prager Frühlings teil und war einer der Autoren des „Manifest der Zweitausend Worte“. Seine zum Teil offene Direktheit gegen das Regime führte bereits 1958 zu seiner Entlassung aus dem von ihm gegründeten Institut an der technischen Universität in Prag während einer kommunistischen Bereinigung.

Nach Auflösung des kommunistischen Regimes wurde Wichterle zum Präsidenten der tschechischen Akademie der Wissenschaften gewählt und erhielt eine Vielzahl tschechischer als auch internationaler Auszeichnungen. Prof. Wichterle's erste Schleudergussmaschine

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Linsen für Kids und Teens Teil II.

Auf Grund des Augenwachstums und der wahrscheinlich schnelleren Änderung der Augenstärken werden wir Linsen wählen, die individuell anpassbar sind und den Stoffwechsel des Auges so wenig wie möglich belasten. In den Fällen, in denen das Kind die Linsen nur für eigene Hobbys tragen möchte z.B. Kampfsportarten, Schwimmen, Reiten o.Ä. mag das Tragen von weichen Kontaktlinsen sinnvoll sein. In diesem Fall muss jedoch sichergestellt werden, dass die Linsen in Form und Größe zu den Augen passen und aus einem qualitativ hochwertigen Material bestehen. Soll die Brille jedoch in der Schublade verschwinden und die Kontaktlinse die hauptsächliche Sehhilfe sein, sollten formstabile Kontaktlinsen angepasst werden, da durch diese eine bessere Sauerstoffversorgung der Hornhaut und eine geringere Infektionsgefahr besteht,als bei weichen Kontaktlinsen. Ausserdem sind diese Linsen individuell auf das noch wachsende Auge anpassbar, während bei einem Großteil der weichen Linsen in der Parametervielfalt Grenzen gesetzt sind. Wichtig ist die Hygiene. Die Hygiene ist die tatsächliche „Arbeit“, die beim Tragen von Kontaktlinsen anfällt. Natürlich gibt es die Linsen, die nur einen Tag getragen werden, um sie abends „einfach wegzuschmeissen“. Diese sog. Tageslinsen sind als Hauptlinse für das Kinderauge nicht geeignet. Als Zweitlinse für den Sommerurlaub neben dem Paar formstabiler Kontaktlinsen könnte dies eine Variante sein. Viel Spaß und viel Sonne im Urlaub:-)